Immer wieder fragen mich meine Leser, welche Technik ich benutze, was für Gerätschaften ich zum Einsatzort transportiere und wie ich das alles organisiere. Gerne will ich mit diesem Beitrag darauf antworte. Es wird diesmal etwas länger, daher habe ich die Geschichte in mehrere Teile gesplittet. Gedruckt und auf Papier ist das ganze übrigens auch verfügbar, nämlich in dem gerade erschinenen Buch „Fujifilm X-Photographers“. Doch jetzt stürzen wir uns auf die Technik und machen einfach mal die Tasche auf:

Alles drin: Zur Not reicht ein Koffer plus ein paar Stative für eine Fotoproduktion. Darf aber gerne etwas mehr sein.

Technik ist nicht das Entscheidende in der Fotografie. Aber ohne Technik geht wiederum auch nichts. Wenn ich also morgens meinen Fotokoffer auf den Rücken nehme und ihn die vier (!) Altbaustockwerke runter zum Auto trage – was ist da eigentlich drin? Und vor allem: Warum? Was ist die Philosophie hinter dem Ganzen?

Um es noch einmal kurz ins Gedächtnis zu rufen: meine Fotografie findet in Werkstätten, Produktionshallen, in Laboren oder in anderen technischen Anlagen statt. Das heißt: Ich fotografiere on location. An Orten, die völlig unterschiedlich sind, an denen vollkommen unvorhersehbare Lichtverhältnisse herrschen, wo man nicht weiß, wo die nächste Steckdose ist und wo man – egal, was passiert und wie es dort aussieht – irgendwie zu guten und attraktiven Bildergebnissen kommen muss. Nicht immer ist es möglich, eine Vorabbesichtigung durchzuführen, und so ist es sehr oft eine Überraschung, was man vor Ort antrifft. Die Überraschung ist manchmal positiv, und man denkt innerlich ein großes »WOW«. Oft genug geht es aber auch in die andere Richtung, und man denkt: »Wie um alles in der Welt soll ich denn hier ein Foto machen?!«. Trotzdem gelingt es natürlich immer, und wenn der Kunde am Ende des Tages begeistert ist von den inhaltlich authentischen, aber nichtsdestotrotz ästhetisch »aufgemöbelten« Fotos, dann weiß man, dass man etwas richtig gemacht hat.

Auch wenn das Thema spannend und die Technik interessant aussieht: Die Lichtverhältnisse on location sind fast immer problematisch. Ich setze daher sehr auf Atmosphäre, die durch eigenes Licht gestaltet wird.

 

Hier ist fotografische und fototechnische Kreativität gefragt: Auswahl der Location, Finden der Perspektive, Wahl des richtigen Ausschnitts und eine passende Action vor der Kamera sind bedeutende Parameter. Emotional besonders wirksam ist aber die Atmosphäre, die in einem Foto herrscht. Sie wird vor allem durch das Licht bestimmt – und da die Lichtverhältnisse in einer Industriehalle in aller Regel suboptimal sind, gehört kreative Lichtsetzung für mich zu den wichtisten fotografischen Instrumenten.

Tacheles jetzt: What’s in the bag?

Die Kernstücke meiner Ausrüstung transportiere ich in einem großen Pro Roller X300 AW Fotokoffer. Dieses solide gefertigte Teil hat den großen Vorzug, dass man zwischen Roller und Inlay trennen kann – sehr wichtig für meine vier Stockwerke: denn das Inlay kann man wie ein Fotorucksack auf den Rücken nehmen, und auf diese Weise tragen sich die rund 20 Kilogramm definitiv leichter und gesünder. Das Case mit den Rollen liegt immer leer im Auto und wird dann beim Losfahren schnell mit dem Inlay komplettiert.

Packphilosophie

Meine Philosophie des Koffers ist ganz einfach: Da ist im Notfall alles drin, was ich für eine erfolgreiche Fotoproduktion brauche: Kameras, Objektive, »kleines« Licht und das notwendige Zubehör. Wenn ich dann noch 2 oder 3 Stative in die Hand nehme, könnte ich die meisten Fotoproduktionen damit erfolgreich meistern – was nicht heißt, dass ich nicht häufig auf zusätzliche Dinge zurückgreife.

Mein Koffer im Überblick:

Warum? Mit was? Wie? Die Kameras

Meine Ausrüstung basiert auf jeweils einem Body Fujifilm X-Pro2 und X-T2. Letztere setze ich mit Batteriegriff ein und verwende sie bei kommerziellen Produktionen meist als meine Hauptkamera. Hauptgrund: dieses Modell ist die funktional universellste Kamera von Fujifilm, die ich besitze. Das liegt an den insgesamt drei Batterien in Griff und Kamera, das hängt mit dem Klappdisplay zusammen, mit den Leistungsdaten der Kamera – und der besonders große elektronische Sucher ist einfach eine Freude. Ein weiterer Grund ist, dass die X-T2 mit Batteriegriff auch sehr gut mit den doch relativ großen Zoom-Objektiven harmoniert, vor allem mit dem häufig genutzten Fujinon XF 16-55/2.8 R LM

Das Klappdisplay der X-T2 ist in manchen Situationen einfach Gold wert und keineswegs „Spielerei“.

Die X-Pro2 dagegen nutze ich in manchen Situationen als Zweitkamera, zum Beispiel, wenn ich die gleiche Szene noch mit einer anderen Brennweite fotografieren will. Standardmäßig ist an dieser Kamera das Fujinon XF 10-24mm F4.0 R OIS montiert.

Anders sieht die Lage aus, wenn ich Portraits schieße. Es gehört häufig zu unseren Aufgaben, neben den Arbeits- und Technologie-Fotos auch Portraits von Geschäftsführung oder Vorstand zu fotografieren. Bei solchen Fotos setze ich auf meine Theorie der »menschlichen« Kamera, was bedeutet, dass die im Sucherkamera-Design gehaltene X-Pro2 den Fotografen dahinter noch als Mensch erkennbar lässt. Als Rechtsäuger habe ich zudem den Vortell, auch während des Fotografierens mit dem linken Auge mit dem Portraitierten kommunizieren zu können, ohne die Kamera absetzen zu müssen. Zudem ist die X-Pro2 viel kleiner als eine professionelle Spiegelreflexkamera und auch kleiner als die X-T2 und hat eine besonders angenehme Ausstrahlung. Gemeinsam mit einer feinen Festbrennweite wie dem Fujinon XF 56/1.2 R ist sie ein wunderbares Portraitinstrument.

Womit wir fast schon bei den Objektiven wären, allerdings ist vorher noch eine weitere Kamera zu erwähnen:

Die Fujifilm X100F, die als jüngster Spross in die Familie aufgenommen wurde. Sie liegt entweder im Koffer bereit, oder ich habe sie griffbereit in der Jacken- oder Westentasche. Warum? Die kleine Kamera mit ihrer lichtstarken 23-Millimeter-Festbrennweite eignet sich perfekt, um zum Beispiel bei einem Besichtigungstermin Notizfotos zu schießen. Nicht selten ist es auch schon vorgekommen, dass bei so einem Termin auch unwiderbringliche, spontane Ereignisse geschehen, die festzuhalten eine gute Idee ist – zum Beispiel Anlieferung eines seltenen Spezialgerätes oder schöne und spontane Momente zwischen Menschen. Ich habe diese Kamera IMMER dabei, auch wenn ich beim Kunden aufs Klo gehe – es gibt immer etwas zu entdecken und festzuhalten. Zum Beispiel, wenn man unverhofft auf solche wundervollen Stilleben stößt. Das muss ich einfach fotografieren, und es ist gut, wenn man eine Kamera dabei hat!

Fotografischer „Beifang“ – die Domäne einer unauffälligen, amateurhaft wirkenden Kamera wie die X100F.

Ich liebe solchen fotografischen »Beifang«, die Bilder sind interessant, skurril und erzählerisch stark. Irgendwann werde ich mit solchen Fotografien mal etwas machen – ein Buch oder eine Ausstellung? Wir werden sehen.

Und die Objektive

Neben den beiden genannten Zooms habe ich außerdem das Fujinon XF 50-140/2.8 R LM OIS WR Telezoom, das eine ausgezeichnete Qualität hat, von mir aber trotzdem recht selten verwendet wird. Das liegt einfach an meiner Vorliebe für leichte bis starke Weitwinkelaufnahmen. Normalbrennweite oder leichtes Teleobjektiv verwende ich auch noch einigermaßen häufig – aber die langen Brennweiten spielen bei mir nur selten eine Rolle. Wenn sie aber doch mal gebraucht werden, dann ist das Zoom ein tolles Werkzeug und wird gerne von mir eingesetzt. Zum Portraitieren hingegen nehme ich es nicht, dafür ist es mir zu groß und wirkt zu »schusswaffenähnlich«. Hier greife ich dann sehr gerne zum 56/1.2, welches ein absolutes Sahnestück ist und sehr schöne Unschärfen im Hintergrund zeichnet.

Weiter geht es über des 35/1.4 – eine universelle und lichtstarke Linse, leider noch mit dem alten Motor ausgestattet und daher etwas geräuschvoller. Trotzdem gerne genommen, wenn die Brennweite passt.

Und dann habe ich noch drei Weitwinkel: das 14/2.8, das 16/1.4 und das 18/2.0.

Komische Zusammenstellung, oder? Ja, wirklich, gleich drei Objektive, die jeweils nur 2mm Brennweite auseinander sind. Bin ich Weitwinkelsammler??

Eigentlich nicht. Das Konvolut von gleich drei Weitwinkel-Festbrennweiten hat einfach historische Gründe: das 18mm war am ehesten auf dem Markt, und ich habe es mir frühzeitig als lichtstarkes Weitwinkel gegönnt. Dann kam das 14mm raus, was ich auch sehr gerne haben wollte, einfach wegen des weiteren Bildwinkels. Und das 16mm als modernste und lichtstärkste Linse hat mir so gut gefallen, dass es ebenfalls einfach sein musste. So bin ich – zusammen mit dem Zoom – gleich mit vier Weitwinkelobjektiven gesegnet. In der Praxis ist es allerdings so, dass ich fast immer entweder das 10-24mm/4.0 verwende oder das 16/1.4. Die anderen beiden könnte ich eigentlich auch zu Hause lassen. Aber sie passen so schön in den Koffer, machen die Reihe komplett und – wer weiß? – irgendwann brauche ich doch mal eins davon. Sie sind also, Stand heute, immer dabei.

Da die Festbrennweiten im Koffer auf den ersten Blick kaum auseinanderzuhalten sind, habe ich ihre Rückdeckel mit der jeweiligen Brennweite beschriftet und sie in aufsteigender Millimeterzahl angeordnet. Das hilft ungemein beim schnellen Griff zur richtigen Linse.

Zooms und Festbrennweiten

Überhaupt das Verhältnis von Zooms zu Brennweiten – wie gehe ich damit um? Zu meinen DSLR-Zeiten habe ich zugegebenermaßen fast ausschließlich mit Zooms gearbeitet. Ich nutzte die »holy Trinity« aus 16-35, 24-70 und 70-200, jeweils mit Lichtstärke 2.8. Das fand ich praktisch, die Objektive lieferten qualitativ gute Ergebnisse und boten bei den entsprechenden Brennweiten schon offenblendig schöne Unschärfen, wenn sie denn gebraucht wurden. Man sieht: Ein »Bokeh«-Extremist war ich nie, ich arbeite mit Schärfe/Unschärfe, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu lenken und nicht um den Effekt auf die Spitze zu treiben. Portraits, bei denen nur die Pupille scharf ist aber sonst nichts, fand ich noch nie besonders sinnvoll.

Wie auch immer: seitdem ich mit den Fujifilm-Kameras arbeite, hat sich meine Arbeit zugunsten der Festbrennweiten verlagert. Ich setze sie einfach öfter ein. Dies liegt zum einen systembedingt in der höheren Schärfentiefe begründet, die die für APS-C gerechneten Objektive nun einmal bei vergleichbaren Brennweiten und Blenden haben – zum anderen liegt es aber auch in diesem schwer zu fassenden »klassischen fotografischen« Gefühl, dass mir diese Kameras vermitteln und das mir die Freude an den Festbrennweiten zurückgegeben hat.

Ich sehe die Konstellation von APS-C + hoher Lichtstärke als einen echten Vorteil. Beispiel: Das 56/1.2 ist eine schöne Portraibrennweite von KB-äquivalenten 85mm. Voll geöffnet entspricht die erzielbare »Unschärfentiefe« der eines KB-Objektivs bei Blende 1.8. Zum »Freistellen« ist das allemal genug (oft sogar noch »zu offen«), trotzdem habe ich lichtnutzungstechnisch die volle Power einer 1.2-er Linse!

 

Der zweite Teil dieses Beitrags erscheint püntklich zum „zweiten Wochenende“ am kommenden Samstag. Da geht es dann um das kleine, mittlere und große Licht, um Stative, um all den technischen Krimskrams, den man so braucht und um die Frage, wie ich auf längeren Reisen das Wiederaufladen von etlichen Akku-Systemen sicherstelle.

 


 

Von Herzen aus eigener Erfahrung empfohlen | Affiliate-Links:

->  Fujfilm Systemkameras bei Calumet bestellen

->  Fujinon-Objektive bei Calumet bestellen