Heute will ich mich einfach mal freuen: auf meinem Schreibtisch steht mit den Abmessungen von 31,26 x 22,12 x 1,55 Zentimetern ein Wunderwerk der Technik: Mein neues Fotofachlabor, mein neues Büro, meine neue Kommunikationszentrale und mein neues Archiv für alle geschäftlichen und privaten Vorgänge. Ja, genau, es ist ein MacbookPro der neuen Generation (late 2021) mit M1 Pro-Chip. Um es vorwegzunehmen: ein Traum für Fotografen.

Als Apple vor kurzem auf der Herbst-Keynote die neue Hardware vorgestellt hat, hing ich vor dem Bildschirm wie in meiner wildesten Apple-Freak-Computer-Nerd-Zeit: mit offenem Mund, staunendem Blick und enormer Vorfreude. Dem Computerhersteller aus Cupertino schien wirklich das Unmögliche  gelungen zu sein: Performance-Rakete bei gleichzeitig extrem hoher Effizienz, die Rückbesinnung auf alte Tugenden und das Schnüren eines prallen Technologie-Paketes.

Natürlich ist mir als abgebrühter Medienaffiner schon klar, dass hier auch eine gewaltige Marketingmaschine aufgefahren wurde, um Kaufanreize zu schaffen und die User zum Träumen zu verführen. Aber dennoch: frei erfunden sind all diese Superlative erfahrungsgemäß auch nicht. Trotzdem habe ich dann noch fast eine Woche gebraucht, bis ich beim Apple-Händler meines Vertrauens auf den Bestell-Button gedrückt habe. Gewählt habe ich die „Zweitkleinste“ Version des 14-Zoll-Gerätes, und ich habe diesmal gemietet und nicht gekauft.

Aufgrund der hohen Nachfrage habe ich mit einem Lieferdatum nicht vor Mitte November gerechnet (in pessimistischen Momenten „hoffentlich noch vor Weihnachten“), aber – oh Wunder – geliefert hat der Händler bereits nach sechs Tagen. Normalerweise kommt so eine Sendung ja immer genau dann an, wenn man absolut keine Zeit hat, auf Fotoproduktion ist oder sonstwie unabkömmlich. Aber auch hier stimmte wieder alles: Der Tag stand zur freien Verfügung und ein dank Feiertag langes Wochenende schloss sich direkt an. Perfekt zum Einrichten, Ausprobieren, Testen und sich freuen!

Da liegt es nun also auf meinem Schreibtisch und verheißt Großartiges. Selten habe ich mich so auf ein neues Werkzeug gefreut.

Macbook Pro 2021 für Fotografen - ein Traum!

Foto: ich

Technik-Exkurs

Kleiner Exkurs für diejenigen, die die technische Entwicklung im Computerbereich nicht so verfolgen: Warum werden so hohe Erwartungen an die neue Hardware von Apple gestellt? Was ist das Besondere? Und was unterscheidet sich von früheren Upgrades, in dem neuere Generationen immer nur ein paar Prozent schneller waren als ihre jeweiligen Vorgänger?

In aller Kürze die Antwort: Apple hat es geschafft, die Technologie, die seit Jahren in iPhones und iPads steckt, auf den Desktop zu holen. Es geht dabei im Wesentlichen um eine hochintegrierte Prozessorarchitektur, die extrem schnell ist, extrem gut auf die Bedürfnisse des Apple-Betriebssystems angepasst ist und gleichzeitig mit sehr viel weniger Energie auskommt.

Macbook Pro 2021 für Fotografen - ein Traum!

Foto: Apple

Das heißt: Die Geräte laufen ohne Leistungseinbußen im Akkubetrieb wesentlich länger, werden kaum noch warm und können daher ohne laute Lüfter betrieben werden. Damit verschwinden alle möglichen Kröten, die man bisher schlucken musste: Wollte man maximale Leistung, war die Akkulaufzeit schlecht. Betrieb man die Rechner am Limit, wurde das Arbeiten dank Geräuschkulisse nervig. Fotografen und Videografen wissen ein Lied davon zu singen, wenn sie nach zwei Stunden intensiver Bildbearbeitung im Akkubetrieb auf dem Trockenen sitzen, wenn der Mac sich permanent die Haare zu föhnen scheint und der heiße Aluminiumblock einem die Oberschenkel verbrennt.

Macbook Pro 2021 für Fotografen - ein Traum!

Foto: Apple

Leistung

Das alles soll mit den neuen MacbookPro nun der Vergangenheit angehören, alte Gesetze aufgehoben und ein neues Zeitalter des Computings eingeläutet sein. Und nun habe ich Gelegenheit, derlei vollmundige Marketingbehauptungen auf den Prüfstand zu stellen und an der Praxis zu messen.

Trotzdem erstmal ein paar Benchmarks…. Ja, das muss jetzt einfach sein, ich will knallharte Zahlenwerte sehen! Verglichen habe ich daher mein nagelneues 14-Zoll Macbook (16 GB RAM, 1 TB SSD) mit meinem Macbook Pro von 2017 und meinem gut ausgestatteten und ziemlich aufgemotzen MacPro von 2012. Ich mache jetzt keinen „wissenschaftlichen“ Vergleich, aber wenn synthetische Benchmarkprogramme Testwerte ausgeben, die im Bereich fünf- bis sechsmal (!) so hoch liegen wie beim Vorgängermodell, dann ist das schon sehr verheißungsvoll.

Also schnell Capture One installiert und einen Praxistest gemacht. 48 recht aufwändig bearbeitete Fujifilm-RAW-Dateien in höchster JPG-Qualität zu exportieren dauerte auf meinem Vorgänger-Laptop geschlagene 6 Minuten und 30 Sekunden (der viel ältere MacPro war dank mehr Prozessorkernen etwa doppelt so schnell). Und was liefert mein neues Gerät ab? Der Export der gleichen Daten war nach 59 Sekunden beendet. Wow. Ein Statement.

Schnell noch ein bißchen in C1 herumspielen: alles sehr, sehr zackig, auch die kleinen Nickeligkeiten der Vergangenheit (z.B. verzögertes Anzeigen der Ebenenpinsel) spielen keine Rolle mehr. Oder das Arbeiten im Programm, während die Vorschaudateien gerendert werden: bei dem älteren Gerät, war die Maschine damit praktisch außer Gefecht gesetzt und man konnte mit der eigentlichen Bildbearbeitung erst nach dem Rendern anfangen. Das ist Vergangenheit. Alles läuft superflott nebeneinander. So snappy hat sich das Programm noch nie angefühlt.

Mit dem Testen habe ich dann aufgehört. Mehr Bestätigung brauche ich nicht.

Praxis

Performance ist nicht alles. Alltagstauglichkeit ist ein weiteres wichtiges Kriterium. In der Vergangenheit hat sich Apple da bei seinen Laptops leider nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie verbauten schlechte und anfällige Tastaturen und reduzierte die Anschlussmöglichkeiten derart radikal, dass man eine ganze Weile gezwungen war, ein ganzes Arsenal von USB-Hubs und anderen Adaptern oder Peripheriegeräten mit sich herumzuschleppen. Auf meinem Vorgängermodell gab es nur zwei Thunderbolt-Anschlüsse und sonst (außer einem analogen Kopfhörerausgang) gar nichts! Und wenn der Mac geladen werden musst, war nur noch ein einziger Anschluss verfügbar. Das hat mich ganz schön genervt und zu allerlei Notlösungen geführt, aber wirklich überzeugend waren diese Workarounds auch nicht.

Das Feedback der User war offenbar eindeutig, und die innovationsbesessene Firma Apple (die mitunter auch sehr starrköpfig sein kann) ist zurückgerudert und hat alte Tugenden wiederbelebt: der geniale magnetische Magsafe-Anschluss zum Laden des Gerätes ist wieder da. Thunderboltanschlüsse gibt es auch bei den kleinen Modellen wieder auf beiden Seiten des Laptops (insgesamt 3), eine HDMI-Buchse ist verbaut und – kaum zu glauben! – ein SD-Cardreader ist auch wieder an Bord! Hallelujah! Mein Arsenal an bisher unbedingt erforderlichem Zubehör wird ab sofort auf ein Minimum zusammenschrumpfen. Auf längeren Produktionsreisen brauche ich nur noch das Laptop und ein Ladegerät – keinen externen Cardreader mehr, keinen USB-Hub, keine Adapter!

Macbook Pro 2021 für Fotografen - ein Traum!

Foto: Apple

Und keine potente Powerbank mehr, mit deren Hilfe ich bei meinem „alten“ Macbook die Akku-Laufzeit verlängern konnte. So richtige Langzeiterfahrungen habe ich mit dem neuen Gerät noch nicht, aber bei „gemischtem Betrieb“ (Bildbearbeitung, Office, Internet-Surfen, Programme istallieren usw.) bin ich auf 6 bis 8 Stunden Akkulaufzeit gekommen und das ist für meine Praxisbedürfnisse allemal genug.

Und sonst?

Was interessiert mich als Fotograf noch? Ich habe aus Kostengründen nur 16 GB Arbeitsspeicher gewählt und war etwas im Zweifel, ob das auch zukunftssicher ist. Denn einerseits werden diese 16 GB sowohl von der Grafikkarte als auch vom Prozessor genutzt (also geteilt), andererseits ist die Geschwindigkeit dieses Speichers wohl sehr hoch und die Speicherverwaltung ausgesprochen effizient. Bisher kann ich sagen: die von mir gewählte Ausstattung ist in meinem Workflow kein Flaschenhals, auch bei aufwändiger Bildbearbeitung, vielen geöffneten Programmen usw. musste nie auch nur ein Byte auf die SSD ausgelagert werden. Wer komplexe Videoprojekte realisiert, braucht möglicherweise aber mehr.

Was auch sehr zum Wohlbefinden in der täglichen Arbeit beiträgt: die Tastatur ist wieder erstklassig: leise und  präzise. Ein Genuss, darauf zu schreiben und eine Freude für die Mitmenschen in der Bahn, im Restaurant oder wo auch immer man mobil arbeiten will.

Und zu guter Letzt etwas, was ich zunächst nicht auf dem Schirm hatte: die neuen Macbooks haben ein sogenanntes XDR-Display, das eine extrem helle und leuchtstarke Darstellung spezieller Medieninhalte erlaubt, die für besonders kontrastreiche Darstellung ausgelegt sind (solche Filme zum Beispiel). Das sieht auf passender Hardware unglaublich beeindruckend aus und ermöglicht ein Seh-Erlebnis, das ich bisher nicht kannte. Im Consumer-Bereich gibt es diese HDR-Technologie schon länger bei hochwertigen Fernsehgeräten – jetzt wird diese Technik dank Apple auch auf dem Desktop Verbreitung finden. Ich bin schon die ganze Zeit am Überlegen, wie man sie für unsere Industriefotografie nutzbar machen könnte, zum Beispiel bei Präsentationen … Hmmm… Mal schauen!

Wie gesagt: das Gerät habe ich diesmal nicht gekauft, sondern gemietet. Ich zahle jetzt etwas über 60 Euro monatlich bei einer dreijähigen Nutzungsdauer. Klar ist: das wird irgendwann unterm Strich teurer, als wenn ich gleich das Geld in die Hand genommen hätte. Andererseits hat Apple in den vergangenen 12 Monaten ein derartiges Innovationstempo vorgelegt, das ich mir schon vorstellen könnte…. Naja, lassen wir das. Jetzt schone ich erstmal meine Liquidität und freue mich über die Spitzenleistung von heute.

Unterm Strich

Wohlgemerkt: ich schreibe die ganze Zeit über das zweitkleinste Modell: 14 Zoll Bildschirmdiagonale, 1 TB SSD, 16 GB RAM, 10 CPU-Kerne, 16 GPU-Kerne. Da geht aber noch einiges mehr: mehr Zoll, mehr Kerne, mehr Speicher, schnellere Bandbreite im Datenhandling. Aber für mich und meine Einsatzgebiete bleiben keine Wünsche offen. Apple ist die Quadratur des Kreises gelungen und hat ein in meinen Augen konkurrenzloses Technikpaket geschnürt, das allerdings auch gutes Geld kostet. Billig waren Macs noch nie, andererseits ist für die Gesamtheit dessen, was jetzt in diesen Kisten steckt, das Prädikat „preis-wert“ durchaus angemessen.

Halt, ein Wunsch bleibt doch offen: es wäre cool gewesen, wenn Apple auch noch einen herkömmlichen USB A-Anschluss verbaut hätte. Zum Beispiel für den USB-Stick unserer Grafikerin. Oder für das direkte Anschließen älterer externer Festplatten, Audiokomponenten oder ähnliches. Aber so weit zurückgehen wollten sie dann doch nicht, die starrköpfigen Fortschrittssgläubigen in Cupertino. Schade, aber nicht zu ändern. Mit dem letzten jetzt immer noch nötigen Adapter werde ich wohl weiterhin leben müssen.

 

4 Kommentare
  1. Dr. med. Kaemmerer Bernd
    Dr. med. Kaemmerer Bernd sagte:

    Danke, lieber Christian, für Deinen sehr informativen Bericht über das neue MacBook Pro, auf das ich noch warte. Offensichtlich habe ich ebenfalls eine gute Wahl getroffen (bis auf eine 2TB SSD habe ich die gleiche Ausstatttung wie Du gewählt). Weiterhin viel Freude damit und beim Fotografieren! Schöne Grüße, Bernd

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    • christian
      christian sagte:

      Hallo Bernd – ich wünsche Dir, dass das Gerät bald kommt und dass Du dann viel Zeit hast, Dich damit zu beschäftigen. Es ist wirklich eine großartige Maschine, die einfach nur Freude macht. Der beste Mac, den ich je hatte! Viel Spaß damit und mit all den kreativen Dingen, die man darauf realisieren kann!

      LG, Christian

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