Fotografie ist in besonderem Maße technisch geprägt – mindestens bedarf es einer Kamera mit Objektiven, aber in vielen Fällen kommen noch eine Menge Tools, Hilfsmittel und Ergänzungen dazu. Bei mir – als Industriefotograf und als jemand, der auf eine wirkungsvolle Atmosphäre in seinen Fotos großen Wert legt – ist das zum Beispiel jede Menge Lichttechnik: kleine, mittlere und starke Blitzgeräte, diverses LED Dauerlicht vom Panel bis zur fokussierbaren Taschenlampe, Spezialgerätchen wie Laserpointer – und für Outdoor auch Reflektoren. Das ganz muss auch bei einer großen Produktion bzw. bei länerem Unterwegssein in einen geräumigen Kombi passen, es muss mobil und stromnetzunabhängig sein, und man sollte auch am fünften Produktionstag in Folge noch alle Optionen haben, alles wiederfinden und on location schnell und effektiv arbeiten können.

Diese besonderen Anforderungen führen dazu, dass sich meine Technik permanent verändert, ich bin immer dabei, nach neuen Tools Ausschau zu halten, Überholtes auszumustern, Bestehendes zu optimieren – oder auch mal komplett über den Haufen zu werfen und etwas Neues zu versuchen. Und ich gebe gerne zu: das macht mir total Spaß und lässt den Technik-Nerd in mir immer mal wieder zur Hochform auflaufen. Das Ganze ist aber natürlich kein Selbstzweck, sondern dient der Optimierung des Fotografie-Prozesses: es ist einfach cool und praktisch wenn man für alle vorhersehbaren Situationen eine gute Lösung parat hat – und es ist toll, wenn man so flexibel aufgestellt ist, dass auch totale Überraschungen souverän gemeistert werden können. Bei jeder Fotoproduktion lerne ich dazu und lasse die „lessons learned“ in meine zukünftige Arbeit einfließen.

Bei diesem Foto aus der Kunststoffforschung kamen mindestens zwei LED-Lichter und 5 oder 6 handliche Blitzgeräte zum Einsatz. Das Licht wurde dabei mannigfaltig modifiziert, in seiner Farbtemperatur verändert bzw. sogar kräftig eingefärbt (türkis / sonnengelb).

Blitzlichtwerkstatt

Dann gehen wir doch mal rüber in die „Werkstatt“ und schauen, was sich da jüngst so ereignet hat.

Alles fing damit an, dass wir (meine Kollegin Silvia Steinbach und ich) bei einem Baumaschinen-Unternehmen die schöne Aufgabe hatten, für ein Titelbild Bagger und andere ziemlich große Baumaschinen in einem Foto zu arrangieren. Es war ein trüber Tag, die Farben waren grau, das Licht diffus. Also entschied Silvia sich (es war ihr Motiv), die drei Baumaschinen in der beginnenden Dämmerung zu fotografieren, den grauen Himmel ins Blau zu drücken und die Baumaschinen mit unserem eigenen Licht auszuleuchten. Dafür boten wir alles auf, was an Lichttechnik in den Taschen zu finden waren: insgesamt 7 Akkublitzgeräte mit jeweils 200 Ws Leistung, ergänzt um 2 größere Geräte mit 600 Ws. Das ist schon eine Menge Holz und viel mehr, als wir normalerweise (in geschlossenen Räumen, Produktionsanlagen, Werkstätten usw.) benötigen. Und es reichte aus. Zumindest gerade so. Draußen Blitzen erfordert eben einfach viel mehr Saft als drinnen. Die Aufgabe haben wir in diesem Falle zwar gut lösen können, sie zeigte uns aber auch auf, wo die Grenzen unserer Technik liegen.

Mehr Power

Ich war deshalb schon drauf und dran, mir eine zusätzliche 600Ws – Kanone zu bestellen, aber andererseits widerstrebte es mir auch: da sind dann mit Ersatzakku über 1000 Euro fällig. Dafür bekommt man zwar einen guten Gegenwert, aber so häufig sind diese Outdoor-Einsätze bei uns nun auch wiederum nicht, so dass der Blitz die meiste Zeit einfach nur herumliegen würde. Dazu kommt, dass diese Geräte schon richtig groß und wesentlich unhandlicher sind als die von uns sonst bevorzugten smarten Teile. Das alles will ja auch transportiert werden. Daher verwarf ich den Kauf weiterer großer Blitze und fand eine andere Lösung. Im Sortiment des Lichtherstellers unseres Vertrauens (Godox) gibt es Alternativen: das Modell AD300 hat zwar nur die halbe Leistung, kostet dafür auch nur die Hälfte. Sie sind vor allem viel, viel kleiner und daher flexibler einsetzbar. Und: sie passen in die vorhandenen Lichtkoffer. Im Falle des Falles (wie zum Beispiel bei dem Baumaschinen-Job) stellt man einfach zwei davon nebeneinander und hat trotzdem 600 Ws. Also habe ich mich ausgiebig informiert, mir ein paar Youtube-Videos dazu angeschaut und bin kurzentschlossen nach Düsseldorf gefahren, um mir dort im örtlichen Handel zwei dieser Geräte zu sichern.

Kurz darauf brachen wir zu einer einwöchtigen Fotoproduktionsreise auf – natürlich sind die neuen Blitzgeräte mitgekommen und sollten sich in der Praxis bewähren. Wohlwissend allerdings, dass sie noch nicht vollständig in meinen Workflow integriert waren und es noch etwas Feintung brauchen würde. Und jetzt, zurück von unserer Reise, ist Zeit dafür. Und Lust, sich mit den Details zu beschäftigen, aus Widersprüchlichem etwas Übergreifendes zu machen und damit letztlich Flow, Effizienz und Spaß in der praktischen Arbeit zu verbessern.

Innovation

In meiner Fotografie arbeite ich sehr intensiv daran, die atmosphärischen Potenziale einer Location zu heben, in dem ich mich fast nie mit dem vorhandenen Licht zufriedengebe, sondern eigene Lösungen anstrebe. In Industrie, Forschung oder Medizin ist das Licht praktisch nie schön: vorherrschend ist langeweiliges, fades Licht, das Neonlampen in Hallendecken oder Laboren erzeugen – womöglich verbunden mit einem fiesen Grün- oder Braunstich. Also lasse ich diese Beleuchtungen oft ausschalten oder – wenn das nicht geht – stelle die Belichtungswerte der Kamera so ein, dass das vorhandene Licht praktisch keine Rolle mehr spielt. Dafür muss dann eigenes Licht her: ein markantes Licht auf Gesichter, harte Gegen- oder Streiflichter, die die Dreidimensionalität von technischen Anlagen und den darin agierenden Menschen betonen. Gerne auch ergänzt um Effekte, die für schicke Spitzlichter und farbige Akzente sorgen.

Und damit sind wir endlich beim eigentlichen Thema von heute: den Farbfiltern. Ich habe immer ein großes Sortiment von Farbfolien dabei, mit denen ich das neutrale Licht meiner Blitzgeräte einfärben oder in ihrer Farbtemperatur verändern kann: Von Tageslicht-Weiß über warm-gemütlich bis kühl-aseptisch ist hier viel möglich. Und wenn ich zaubern will, steht auch die gesamte Farbpalette zur Verfügung: rot, orange, gelb, grün, blau, violett – alles machbar. Mit Farbtemperaturverschiebungen kann man tolle Effekte und emotionalisierende Wirkungen erzeugen, desgleichen mit Symbolfarben, die zum Motiv passen oder die zum Beispiel CI-Elemente meines Kunden aufnehmen. Und mit Modfikatoren (Wabeneinsätze oder Scheunentore) lässt sich die Lichtrichtung oder -Konzentration steuern, so dass zum Beispiel nur ein kleiner Teil des Settings von dieser Farbe beleuchtet wird – ein Gesicht zum Beispiel, eine Hand oder ein technisches Detail.

Da ich in Innenräumen bisher fast ausschließlich mit den „Kleinen“ Godox-Geräten gearbeitet habe, habe ich hierfür auf das sehr sinnvolle, ausgeklügelte System des Herstellers zurückgegriffen, das volle Kompatibilität über mehrere Produktreihen hinweg anbot. Alle diese Blitze sind bei mir mit dem gleichen Rundkopf ausgestattet, den man mit Hilfe von magnetisch haftenden Vorsätzen seinen Bedürfnissen anpassen kann.

Will man zum Beispiel das Licht blau einfärben, geht das ganz leicht:

Die passend geschnittenen Folien liegen in allen Farben bereit, lassen sich leicht in den Halter einlegen und sind in einer Sekunde angebracht:

Möchte man dieses Licht zusätzlich richten, geht auch das sehr einfach: das Wabenmodul vorne dran befestigen – natürlich ebenfalls wieder magnetisch – und fertig. Soll das Licht noch gerichteter sein, nimmt man einfach zwei davon.

Und möchte man gegebenenfalls noch ein Scheunentor (mit oder ohne Wabe, mit oder ohne Farbfolie) vor den Blitz setzen, funktioniert das auf die genau gleiche Weise.

Alles in allem ein simples, ausgeklügeltes, preiswertes und total praktisches System, das mir erlaubt(e), alle meine standardmäßig eingesetzten Blitzlichtquellen bei Bedarf zu modifizieren. Sehr gut gemacht vom Hersteller und funktional zu meiner vollsten Zufriedenheit.

Die Neuen sorgen für Unruhe

Doch jetzt liegen zwei neue Blitze in der Tasche – und die verändern vieles. Denn die AD300 sind trotz ihrer höheren Leistung zwar nicht größer als die vorhandenen AD200 – aber sie sind dicker! Sprich: der Durchmesser des Blitzkopfes (der über ein eigenes Godox-Bajonett verfügt) ist größer als der der bisherigen Rundköpfe. Das ist für meine Workflows suboptimal, denn ich will ja auch diese Blitzgeräte bei Bedarf mit Farbfolien versehen können.

Was also tun? Das bisherige System ist so smart gewesen, dass ich es nicht aufgeben will. Gleichzeitig ist es aufgrund des zu kleinen Durchmessers nicht auf die neuen Blitze übertragbar. Ganz abgesehen davon, dass sowohl die Godox AD300 als auch die AD600 überhaupt keine magnetischen Vorrichtungen haben. Mein Anspruch aber, auch in Zukunft effektiv und schnell mit allen Geräten arbeiten zu können, bleibt bestehen. Wie löse ich dieses Dilemma?

Zuerst dachte ich, ich müsste in den sauren Apfel beißen und eben eine weitere Range Farbfilter anfertigen, die ich dann eben bei den größeren Blitzen einsetze. Dort gibt es ja leider kein magnetisches System, also wären herkömmliche Klett-Verbindungen eine mögliche Alternative gewesen. Oder – wie wir es früher oft gemacht haben – einfach die Farbfolie mit Panzerband am Reflektor befestigen und basta. Das funktioniert, ist aber unelegant. Es ist immer ein Gefummel, die Folien werden schnell unansehnlich, es wirkt auch nach außen nicht besonders professionell. Nein, das wollte ich mir nicht weiter antun. Ich wollte eine Magnetlösung!

Grübeleien

Wie gelingt es, drei unterschiedliche Produktlinien mit unterschiedlichen Durchmessern in den Blitzköpfen (circa 6, 8 und 11 Zentimeter) auf ein einheitliches, magnet-basiertes System umzustellen, wenn zwei von ihnen über keinerlei Vorrichtungen für Magnetbefestigungen verfügen? Die Blitze sind zwar aus Metall gefertigt, aber das ist Aluminium – und da haften Magnete nicht. Wie schaffe ich es, mir nicht drei verschiedene Filterformate zuschneiden zu müssen? Und wie kann es gelingen, dass das neue System genauso schnell, elegant und easy zu benutzen sein wird?

Ich habe die drei Blitztypen vor mir aufgebaut, alle meine existierenden Farbfolien daneben gelegt und ausgiebig gegrübelt.

Als erster Schritt zur Lösung fiel mir auf, dass die beiden größeren Blitzköpfe ja über eine „echte“ Blitzröhre verfügen, die zudem von einem milchigen Glaskörper geschützt werden. Hmmmm. Da könnte man doch ein Stück Eisen befestigen, oder? Und daran könnten Magnete andocken. Aber wie befestigen? Nur Klebstoff bietet sich hier an, aber nicht jeder ist aufgrund der hohen Temperaturen, die dort auftreten können, geeignet. Silikonkleber ist sehr hitzebeständig….. Hmmm, hmmm. Gesagt, getan: Silikonkleber hatte ich zum Glück da, und eine erste Probeklebung verlief vielversprechend.

Und wenn man jetzt die Farbfolien mit einem kleinen Magneten versieht – genau in der Mitte – dann dürfte die Folie doch prima halten. Ebenfalls: gedacht – getan (und immer eine Stunde warten, bis der Silikonkleber ausgehärtet ist): und, ja, das funktioniert richtig gut. Und wenn man jetzt noch alle Farbfolien für das größte Maß zuschneiden würde, können sie auch an die kleineren Köpfe angebracht werden…. Dann steht etwas Folie über, aber das ist unwichtig und stört die Funktionalität in keiner Weise. Auch das habe ich dann gleich mal ausprobiert.

Mit dieser Konstruktion habe ich in gewisser Weise, das Magnetsystem der „kleinen“ Blitze vollständig ausgehebelt, es wird – jedenfalls wenn es nur um Farbfolien geht – eigentlch überflüssig. Was ist aber mit den nützlichen Wabenvorsätzen und Scheunentoren? Grandioserweise sind diese auch weiterhin nutzbar, denn man kann sie (an den kleinen Geräten) ganz einfach weiter anbringen, egal, ob eine Farbfolie dazwischen ist oder nicht:

Praxiserfahrungen

 In der Theorie haut das alles super hin und bietet grandiose Vorteile:

  • Ich habe die Idee eines magnetischen Befestigungssystems erweitert und kann es nun bei allen meinen Blitzgeräten nutzen, unter Beibehaltung bestehender Tools und Modifikatoren
  • Ich muss nur noch eine einzige Größe von Farbfolien vorhalten, was die Bestandspflege ungemein erleichtert
  • Meine Workflows on location werden durch das neu entstandene System effizienter.

Aber Praxistests stehen noch aus. Einige Fragen werden sich erst nach mehreren echten Einsätzen beim Kunden klären lassen:

  • Wie zuverlässig ist die Silikon-Klebeverbindung auf dem Blitzkopf und auf den Folien?
  • Wie reagieren die Magnete auf die Erwärmung, denen sie regelmäßig ausgesetzt werden?

Gerade der letzte Punkt kann von großer Bedeutung werden, denn die bisher von mir verwendeten Neodym-Magnete verlieren ab 80 Grad einen Teil ihrer Haftkraft – so das Ergebnis einer schnellen Recherche. Erste Versuche (nach 30 ausgelösten Blitzen bei voller Leistung) haben keine negativen Effekte bewirkt – aber da zählt natürlich erst die Langzeiterfahrung. Als Alternative kann man auch Ferritmagnete einsetzen (die hitzebeständiger sind), aber hier habe ich noch keinen Marktüberblick und weiß noch nicht, ob sich angemessen kleine Produkte finden, die für die Folien geeignet sind.

Alles in allem bin ich aber mit der bisher gefundenen Lösung hochzufrieden und freue mich auf die kommenden Jobs, bei denen ich weitere Erfahrungen sammeln kann. Amazon liefert heute oder morgen neue selbstklebende Magnete und einen Kreisschneider. Damit werde ich mir dann ein komplettes Set von Folien zusammenstellen. Die nächsten Jobs stehen schon bald ins Haus – gerne berichte ich in einigen Wochen, wie sich das System bewährt und ob ich ggf. noch Änderungen vornehmen musste.

Dieser Artikel ist zeitgleich auch erschienen auf kwerfeldein!

 


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„Corporate- und Industriefotografie“, Bildner-Verlag.

 

 

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