Die Reisekamera: Fujifilm X100F

In diesem Sommer habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt und war zusammen mit zwei Freunden zwei Wochen im Mittelmeer segeln. Zum Mittelmeer habe ich eine sehr starke Beziehung – einen guten Teil meiner Jugend habe ich zusammen mt meinen Eltern an der Westküste der Türkei gelebt. Das prägte mich sehr, der Mittelmeerraum ist daher für mich so etwas wie ein Stück „Zweite Heimat“. Ich liebe die Natur dort, das Klima, das Meer – und nicht zu vergessen die mediterranen Köstlichkeiten: Fisch, Olivenöl, Wein.

Dazu kam, dass diesmal ein 2-Wochen-Törn geplant war. Das ist schon klasse, denn als Charterer hat man bei 1-wöchigen Trips meist schon ab Mitte der Woche die Überlegung, ob und wie man rechtzeitig in den Heimathafen zurückkommt – das macht Stress und schafft Limitierungen. Bei zwei Wochen kann man viel entspannter planen und auch mal größere Schläge segeln und weitere Entfernungen realisieren.

Wieviel Kamera auf Reisen?

Natürlich stand auch die Überlegung an, welche Kamera-Ausrüstung ich mitnehmen wollte. Auf einem Segelboot ist alles „nahe bei“, und ein starker Weitwinkel dabeizuhaben scheint eigentlich Pflicht – andererseits weiß ich von anderen Segeltörns (gerade bei viel Wind und ruppiger Welle), wie nervig es sein kann, unter Deck nach dem passenden Body zu tasten oder Objektive zu wechseln.

Entscheidung für die Fujifilm X100F

Und eigentlich wollte ich ja auch ganz „leicht“ unterwegs sein: mental, seelisch und auch vom Equipment her. Also wurde es ganz puristisch, und ich habe außer der Fujifilm X100F kein weiteres Foto-Equipment mitgenommen.

Inhaltlich habe ich mich einfach treiben lassen: fotografiert, was mir gefällt oder was mir erinnerungswürdig vorkam. Die Kamera immer griffbereit im Deckstisch des Yacht-Cockpits oder – bei Landgängen – lässig in der Handschlaufe baumelnd. Kein „Projekt“ umgesetzt, einfach nur Momente und Eindrücke eingesammelt und spielerisch festgehalten. Urlaubsknipserei eben. Fotografiert habe ich praktisch immer mit ISO-Automatik und Belichtungskorrektur.

Die entspannte Fotografen-Haltung ging mit der smarten Kamera – kleiner Formfaktor, Reduzierung auf das Wesentliche, unauffälliges Design – eine wunderbare Verbindung ein: Die X100F zeigte sich einmal mehr als „leichtes“ Werkzeug, es war mit ihr im wahrsten Sinne des Wortes „erholsam“, und sie erwies sich als eine ideale Reisebegleiterin.

Nichts vermisst

Die größte scheinbare Einschränkung, die die Kamera gegenüber den Modellen mit Wechselobjektiven hat, ist ja die Begrenzung auf eine einzige Brennweite: Das festverbaute 23mm-Objektiv (35mm KB-äquivalent) erweist sich aber einmal mehr als außergewöhnlich flexibel und erlaubt sogar schöne „Portraits im Ambiente“ (Siehe z.B. das Skipper-Portrait in der Bilde-Galerie). Gelegentlich habe ich auch den „Digital-Zoom“ genutzt, was überraschend viel Spaß macht und dem Fotografen ein gutes Vorgefühl für das zu erwartende Ergebnis gibt, das die Kamera als 50- bzw. 70mm-äquivalenter Ausschnitt abspeichert. Dass das nur als JPG erfolgt, ist aber ein Haar in der Suppe – hier wünsche ich mir sehr, dass zusätzlich das unbeschnittene RAW auf der Speicherkarte landet.

Der X-Faktor

Je häufiger und je länger ich mit den Fujifilm-X-Kameras arbeite – das schließt auch die X-T2 und X-Pro2 mit ein – desto mehr wird mir bewusst, wie hinderlich überdimensionierte Kameras eigentlich sind. Eine klassische oder „große“ Spiegelreflex ist funktional ein geiles Gerät, auf Reisen, bei unauffälliger Reportage, bei Street, bei Portraits in der Straße oder in sozialen Gruppen aber eigentlich ein „Bildverhinderungswerkzeug“. Übertrieben? Vielleicht, Aber im Kern stimmt es schon: man outet sich damit als „ernsthafter“ Fotograf, man bekommt kritische Fragen gestellt, man fällt unangenehm auf, Leute drehen sich weg usw. Mit einer kleinen X passiert das nicht: man wird sehr viel weniger wahrgenommen, wirkt unschuldiger und weniger bedrohlich, die Menschen lassen viel mehr zu und stellen Dein fotografisches Vorhaben nicht von vorne herein in Frage. In den letzten Monaten hat es sich ergeben, dass ich auf zwei Beerdigungen war und dort auch fotografiert habe – Ereignisse, bei denen in der Regel nicht oder kaum fotografiert wird, bei denen die Beteiligten Menschen später aber doch dankbar über stille, nachdenkliche und intensive Bilder sind. Auch dies ein klarer Fall für die X100F.

Doch zurück zu meiner unbeschwerten Sommerreise 2017: Mit ihr schließt sich ein Kreis: 2011 habe ich die Ur-X100 zum ersten Mal in den Urlaub mitgenommen – damals nach Berlin und an die Ostsee (noch vom Land aus gesehen).

Heuer, 2017, war es auf dem geliebten Mittelmeer. Sie wird mich auch in Zukunft als „Immerdabei“ begleiten – im Alltag, bei Jobs und natürlich auf Reisen.

 

P.S.: Wer noch etwas tiefer in meine Begeisterung für diese Kamera einsteigen will: Hier entlang! 🙂


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3 Kommentare
  1. Knipsjunge
    Knipsjunge says:

    Besten Dank für diese Worte. Ich bin derzeit selbst mit einer X100F in Kanada unterwegs. Ursprünglich sollte es eine XT20 mit XF-Kitobjektiv werden, aber diese war in HH einfach nicht zu bekommen. Etwas frustriert und ratlos, denn der Urlaubsbeginn nahte, fragte ich den Händler, ob er vielleicht eine X100F hätte (lt. eigener Webseite hatte er nicht und andre auch nicht). „Joh, habe ich da, in silber.“ Autsch wg. des Preises, aber gekauft und glücklich damit unterwegs. Keine Kameratasche schleppen, herrlich! Ersatzakku, Pol-Filter und Sonnenblende erworben und das wars. Die Reaktion der Leute ist durchweg positiv. Selbst auf den G20-Demos ließen sich Menschen damit bereitwillig (auf Nachfrage versteht sich) fotografieren. Eine Bedienung im Blue Moose, Hope, Kanada meinte: „Your camera looks pretty cool!“
    Yeah, that’s it!

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  2. Rolf
    Rolf says:

    Habe habe vor einigen Tagen auch die 100f bekommen. Bereits meine vierte aus der X100er Reihe, und auch die wohl beste gleichzeitig. Meiner Meinung nach bietet keine andere X-Fuji solch eine Haptik, fühle mich damit in meine Leica-M-Zeit (noch analog) zurück versetzt.
    Deine Erfahrungen mit dem Digitalzoom werde ich wohl bald mal nachvollziehen. Hatte dieser Funktion eigentlich auch wenig Bedeutung geschenkt, aber man soll ja keine Vorurteile haben…

    Eigentlich ist meine X-T20 mit dem flachen 27er obendrauf auch nicht schlecht für die kompakte Fototour, doch nun, wo ich beide direkt miteinander vergleichen kann:

    die X100f mit Zentralverschluss, dem Hyprid-Sucher, sowie, wie bereis erwähnt, deren Haptik, ist schon was besonderes:

    ein kleines, unauffälliges Fotografen-Werkzeug, was verdammt viel Spaß macht, damit unterwegs zu sein :-))

    LG
    Rolf

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