Das Jahr eilt mit Riesenschritten auf sein Ende zu, die erste Adventskerze wird demnächstens entzündet, Weihnachten steht vor der Tür. Jahresabschluss. Das Tempo geht langsam runter. Noch stehen 5 oder 6 Fotoproduktionen an, das ist überschaubar. Zeit, die Dinge abzuschließen, aufzuräumen, aufzuaddieren. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Dies ist die Geschichte meines ersten Jahres mit Fujifilm.

Am 26. Februar 2016 habe ich die erste Fujifilm Kamera der neueren Generation zum ersten Mal in den Händen gehalten: Die X-Pro2 hatte mir auf einer Händlerpräsentation so gut gefallen, dass ich ihr etwas Außergewöhnliches zugetraut habe: nämlich auch in der professionellen Fotografie – bei mir: in der Industrie- und Corporate Fotografie – zu bestehen.

Corporate Velden

Eine gute Woche habe ich mir Zeit gelassen, die Kamera kennen zu lernen, sie mir anzueignen. Und am 9. März diesen Jahres habe ich meine erste Produktion im industriellen Kontext damit fotografiert. Seitdem habe ich die Kamera bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht mehr aus der Hand gelegt – und später nur dann, wenn ich statt ihrer die X-T2 gewählt habe. Was als zögernder Versuch begann, wurde eine stürmische Affäre und dann eine belastbare und dauerhafte Beziehung. Heute ist es Liebe.

christian

Was ist passiert?

In diesem Beitrag werde ich nicht auf technische Details eingehen, werde keine minutiösen Vor- und Nachteilserwägungen durchführen oder meine Entscheidung für Fujifilm detailliert begründen. Das alles ist schon hundertfach gemacht worden – auch von mir – und die Kommentatoren sind sich weitgehend einig: mit de X-Pro2 und der X-T2 hat Fujifilm jeweils ein sehr starkes Stück Technik abgeliefert, das auf Augenhöhe mit leistungsstarken und professionellen DSLR-Kameras agiert. Die Bildergebnisse sind klasse, die Auflösung hoch, die Schärfe sehr gut und das Bildrauschen bei hohen Empfindlichkeiten hält mit den besten Kameras im Markt mit. Der AF ist ausgezeichnet. Punktum. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht nicht sagen. Es geht mir um etwas anderes.

Erleichterung

Als ich meinen ersten Job mit Fujifilm X-Pro2 und dem 16-55 fotografiert habe, fühlte ich mich wie ein Sportler, der vom Höhentraining in normale Verhältnisse zurückkehrt. Oder wie ein Läufer, der nach anstrengenden Trainings mit Gewichten wieder normal durch den Wald sprintet: einfach erleichtert. Ich ziehe die Kamera aus der Tasche, und das ist kein Wuchten und kein Ziehen im Unterarm: das geht ganz leicht, das fühlt sich unbeschwert an. Mein Körper erinnert sich. Es ist jetzt ungefähr 15 Jahre her, als ich zuletzt mit meiner Minolta XD-7 so fotografiert habe. Ja, genauso. Nur: heute liegt die Kamera noch besser in der Hand. Und sie kann wesentlich mehr.

Canon+Fujifilm

Kleiner Ausflug in die Geschichte

Die Geschichte der bildaufzeichnenden Apparate ist nicht linear und hat manche kuriose Entwicklung zu verzeichnen. Aber auf jeden Fall begann alles mal ganz groß und ganz schwer: mit zentnerschwerem Equipment, das aufopferungsvolle Forscher und Reisende nach Ägypten und in den Orient geschleppt haben. Dann kamen kleinere Formate, flexiblere Trägermaterialien für die lichtempfindliche Emulsion und irgendwann auch die Leica mit ihrem revolutionär kleinem Aufzeichnungsformat, das heute als großartiges und erstrebenswertes „Vollformat“ gilt. Die Bildgröße wurde fortan nicht mehr durch die Größe des Films oder der Platte bestimmt, sondern durch die Vergrößerung im Labor. Dann kam die analoge Spiegelreflextechnik, ein Paradigmenwechsel, und die Kameras waren immer noch sehr handlich.

Mit Autofokusobjektiven, mit leistungsfähigen Windern und Motoren ging es dann aber wieder in die andere Richtung: die Kameras wurden größer, die Objektive wurden dicker und schwerer. Diese Tendenz gipfelten in Modellen wie der analogen Canon EOS 1V: groß, teuer, sehr leistungsstark. Ein Höhepunkt in der Entwicklung?

Technisch sicherlich schon: nie waren Kameras so treffsicher, so schnell und so leistungsstark gewesen.

Und das setzte sich im digitalen Zeitalter nahtlos fort. Eine 1ds, eine 1D MkIII, eine 1Ds Mk III – sie sahen alle genau so aus. Und die entsprechenden Nikon-Teile natürlich genauso. Groß. Fett. Beindruckend. Aber man hatte mit diesen Boliden eben auch ein echtes Monster in der Hand: schwer, auffällig, lautstark und lärmend. Und das nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne: diese Kameras waren und sind ein Statement, und sie werden bemerkt, nicht immer positiv. Wenn man damit irgendwo agiert, wird man nicht selten gefragt: „Komme ich jetzt ins Fernsehen?“. Oder die unfreundliche Version: „Was soll das? Löschen Sie das Bild!“

Ich gebe gerne zu: ich stand mal auf so etwas. Ich war fasziniert von diesen großen Dingern. Ich habe mal gesagt: „Ich kaufe immer das Spitzenmodell. Dann kann mir keiner ans Bein pinkeln.“ Ich habe diese Haltung etliche Jahre gepflegt und genossen. Und das war auch OK so.

Aber das ist vorbei. Ich will jetzt etwas ganz anderes.

Ich erinnere mich an die große Zeit der Fotografie. Als das Still-Bild das führende visuelle Medium war. Als mutige und abenteuerlustige Fotografen mit ihren Kameras in die Welt ausgeschwärmt sind, um aufregende Geschichten zu erzählen. Diese Fotografen arbeiteten oft am Rande des Möglichen, des Erlaubten, des Genehmigten. Sie benutzten dafür die Technik ihrer Zeit, aber: auf der Höhe der Zeit.

Aber sie benutzten in der klassischen Zeit keine Kameramonster. Es waren Leicas, Contaxe, Nikons der 50er bis 80er Jahre. Handliche, freundliche, unauffällige Kameras.

Ich habe in der digitalen Ära lange auf etwas warten müssen das dem entspach. Erstklassige Qualität in kompakter Form. Großer Sensor, kleiner Formfaktor. Die Fujifilm X-100 war das erste Kameramodell, das diese Qualitäten bot. Dann folgten die X-Kameras mit Wechselobjektiven. Ein Traum wurde wahr. Und er vollendete sich, als die Pro2 und die T2 kamen: die gleichen Qualitäten, die gleiche Philosophie, aber jetzt auch in professionell.

Professionalität

 Auch wenn ich fast ausschließlich kommerzielle Kunden habe: ich fasse mich und meine Fotografie als Abenteuer auf. Ich nehme Teil an außergewöhnlichen Locations, ich begegne  herausragenden Menschen und außergewöhnlichen Technologien. Hier bin ich zu Gast mit meiner Kamera. Ich erzähle die Geschichte meiner Kunden.

Was macht eine professionelle Kamera für mich aus? Vielleicht kann man es mit zwei Worten sagen: Sicherheit und Leistung.

Sicherheit: redundante Bildaufzeichnung, scharfe Fotos in allen möglichen Situationen. Meisterung aller möglichen Aufnahmesituationen in produktionsrelevanter Qualität.Robuste Kameratechnik.

Leistung: treffsicherer Autofokus, flotte Serien, Nachführ-AF, der wirklich funktioniert. Excellente Bildqualität in allen Lebenslagen.

Das haben die Spiegellosen von Fujifilm mit ihren neuesten Modellen nun geschafft. Nur von den Funktionen her und ganz nüchtern betrachtet, boten die Kameras damit das, was „die anderen“ schon lange konnten. Na schön. Ein Spielzeug mehr in der Kiste. Kein Grund sich weiter aufzuregen, oder? Eigentlich. Aber da ist noch etwas anderes.

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Emotionen

Ich sprach zuvor von den mutigen und leidenschaftlichen Fotografen, die die Welt erkundeten, um ihrem Publikum von der Schönheit und der Außergewöhnlichkeit der Welt zu berichten.

Ich sehe mich auch irgendwie in dieser Tradition. Ich bin auch eine Art Geschichtenerzähler, der die Faszination eines Berufes, einer Lebenswirklichkeit, einer Technologie und der Menschen, die mir ihr umgehen, erzählt. Ich sehe mich nicht als Werbefotografen, der den Art Director beeindrucken (oder ihm Sicherheit geben) will.

Ich sehe mich auch als einen Fotografen, der sich das Leben erleichtern möchte. Ich sehe mich als jemanden, der optimal zu seinem Ziel kommen möchte. Ich möchte meine Stories „ganz leicht“ erzählen und mich frei und unbeschwert bei der Arbeit fühlen und als Fotograf freundlich wirken. Ich will das Vertrauen der Menschen gewinnen. Ich will niemanden beeindrucken, sondern überzeugen. Die Menschen sollen die Kamera möglichst gar nicht sehen.

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Ich sehe mich als X-Photographer.

 

Erleichterung

Was unterscheidet die X-Kameras von Fujifilm von den anderen professionellen Modellen?

Sie sind leicht. Sie sind smart. Sie bieten eine klassische Bedienungsphilosophie mit Blendenring und Drehrädern.

Sie bieten eine neue Form ehrlicher Fotografie.

Ich weiß schon: wenn man Gramm, Kilos, Leistungen vergleicht: dann gibt es viele Bewerber um die Aufmerksamkeit und die besten Plätze.

Nimm eine X-Pro2 in die Hand. Verstehe das Konzept. Und fühle Dich ein in den Dschungel der bildnerischen Möglichkeiten. Du kannst alles machen. Du hast volle Leistung. Du bis auf der Höhe der Zeit. Du bist ein Fotograf, der eine altmodische Knipse in der Hand hat. Niemand nimmt Dich wahr. Du kannst jedes Bild machen. Oder anders: man nimmt Dich kraft Deiner Persönlichkeit und Deiner persönlichen Macht wahr. Aber nicht, weil Du etwas angesagt Professionelles in der Hand hast. Sondern, weil Du bist, wer Du bist.

Nimm eine X-Pro2 oder eine X-T2 in die Hand und genieße Dich in Deinem Flow. Es funktioniert.

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Exklusive Möglichkeiten

Jedes Werkzeug hat seine ureigenen Vorteile und exklusiven Möglichkeiten. Nach 10 Jahren digitaler Spiegelreflexfotografie sind mir ein paar Dinge positiv aufgefallen, die ich in 2016 nur mit den Fujifilms machen konnte. Zum Beispiel:

  • Die kleinen Kameras lassen sich enorm flexibel einsetzen und ermöglichen damit Bilder, die sonst nicht möglich wären. Ich verstecke sie in Maschinenteilen oder an anderen unzugänglichen und beengten Orten und löse per Fernsteuerung aus. Das ergibt mitunter Perspektiven, auf die ich sonst verzichten müsste.
  • Das Klappdisplay der X-T2 erspart mir manche Verrenkung oder ermöglicht Aufnahmestandorte, die sonst nicht möglich wären
  • Der Autofokus greift in schummrigen oder Gegenlicht-Situationen um Größenordnungen besser als es die beiden Spitzen-DSLRs tun, die wir haben/hatten
  • Die so viel weiter außen liegenden Fokuspunkte geben eine neue Freiheit bei der Komposition des Bildes (auch etwas, worauf Fotografen dank des technischen Fortschritts lange verzichten mussten)
  • Den elektronischen Sucher sehe ich als wichtige Hilfe bei der Prävisualisierung eines Bildes an – und auch bei der Beurteilung eines gerade geschossenen Bildes.
  • Bei meiner freien Fotografie kann ich aufgrund des „harmlosen“ Charakters der Kameras auch dann noch Bilder machen, wenn ich mit der DSLR längst in Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal verwickelt wäre.

Back to Reality

Das alles zusammengenommen sind starke Argumente und noch stärkere Emotionen. Aber ich spreche hier nicht über Romantik oder Theorie. Das sind sehr konkrete Erfahrungen aus 9 Monaten professioneller Industrie- und Corporate-Fotografie mit X-Kameras. Die Kameras helfen Dir, sie unterstützen und erleichtern den Job. Niemand stellt Dich in Frage. Niemand zweifelt Dein Können an. Niemand schickt Dich nach Hause. Niemand hindert Dich am Fotografieren.

Die Menschen wollen nur wissen, welche Vision Du von ihrem Leben hast. Und wie Du diese Geschichte mit deiner Kamera erzählst.

Erzähle sie.

Jahresfazit

Ich bin mit Fujifilm X-Pro2 und X-T2 nun fast ein Jahr unterwegs. Ich habe die Kameras eingesetzt in den unterschiedlichsten Situationen.

  • in der Nabe einer Windkraftanlage
  • in unterirdischen Wasserwerken
  • in Brunnen unter der Erde
  • in Abfalltrennungsanlagen
  • auf Segeltörns
  • in der Flugzeigindustrie
  • in einer Glasbläserschule
  • auf hoher See
  • in luftiger Höhe
  • tief in …
  • hoch auf….
  • mitten drin…

Ich habe meine Vision des Themas damit immer umsetzen können. Nie hat sich ein Kunde über irgendetwas beschwert. Alle waren sehr zufrieden. Der einzige Kommentar zur Kamera selbst kam von der Marketing-Leiterin eines Unternehmens. Sie fand die Fujifilms besonders „hübsch“.  🙂

Perfektion?

Sind die X-Kameras perfekt? Natürlich nicht. Sie können auch nicht alles besser als die anderen. Aber sie sind fit für’s Business. Sie sind richtig gut. Und sie machen mir Freude: Jeden Tag, jede Sekunde, in denen man sie in der Hand hält.

Es ist eine andere Qualität, damit zu arbeiten. Die fotografische Realität und Praxis hat eine Dimension hinzu gewonnen. Dafür bin ich dankbar. Dabei werde ich bleiben. Und ich freue mich auf eine spannende Zukunft.

Die Entwicklungen werden weiter gehen. Ich habe noch so manche Wünsche an das System – ich hoffe, Fujifilm hört ein bißchen auf mich! 🙂

Viele Grüße von der Bilderfront. Wir sehen uns.

Christian Ahrens

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