Nachdem ich so positive Erfahrungen mit dem AF der Kamera gemacht habe, ist mein Ehrgeiz um so mehr geweckt, die Fujifilm X-Pro2 vollständig in meine Arbeit zu integrieren: ohne Wenn und Aber und ohne faule Kompromisse. So, dass ich jederzeit frei entscheiden kann, zu welcher Kamera ich greifen will – und dann einfach loslegen kann. Da Licht für uns ein extrem wichtiges fotografisches Thema ist, heißt das: nun steht die Integration der Kamera in unsere Licht-Systeme an!

Wie ich HIER ja bereits beschrieben habe: da gab es erstmal Probleme. Doch der Übeltäter war schnell ausgemacht. Aber die vollständige, integrierte Lösung stand noch aus. Die ist jetzt gefunden.

Vorab noch eine Bemerkung am Rande: es ist faszinierend, wie die Integration der neuen Kamera in unsere bestehenden Workflows dazu führt, alte Zöpfe abzuschneiden, neue Lösungen ins Auge zu fassen und Bewährtes in Frage zu stellen. Ein wirklich cooler Effekt, der einen sozusagen aus seinen Gewohnheiten aufscheucht und neue Wege gehen lässt – am Ende mit deutlichen Verbesserungen und mehr Möglichkeiten.

Gut. Nun aber zum eigentlichen Thema: wie kriege ich die Fujifilm X-Pro2 so in unsere Arbeit integriert, dass sie genauso problemlos mit unserer Lichttechnik zusammen arbeitet wie die Spiegelreflexkameras?

Dazu erstmal eine kurze Skizze, wie wir arbeiten: Wir nutzen Blitzsysteme von mehreren Herstellern:

  • Elinchrom (Ranger Quadra, Ranger RX)
  • Photarex / NicePhoto PHOTAREX HSS-600
  • Yongnuo Systemblitze (YN 560 II, III und IV)
  • Canon Systemblitze (550, 580, 580 II)

Blitzintegration_Fujifilm_X-Pro2_3(Und ja: man kann mit diesen zum Teil sehr preiswerten Geräten professionell arbeiten. Die Yongnuos sind einfach phantastisch, und die Photarex-Akku-Blitze mit Saft haben nur den einzigen Nachteil, dass sie bei hoher Leistung ein bißchen zu lang zum Nachladen brauchen; aber damit kann ich umgehen und mich darauf einstellen).

Bisher haben wir die Elichroms und die Systemblitze mit Pocket Wizards ausgelöst (Plus II und FlexTT5). Und wenn wir die kleinen Blitze mit den Photarexen gemeinsam eingesetzt haben, haben wir die Auslöser einfach „huckepack“ genommen und auf die Kamera aufgesteckt. Das funktionierte soweit gut – bewährte Praxis mit der Spiegelreflex.

Mit der Fujifilm X-Pro2 funktionierte das erstmal nicht. Und der Grund liegt darin, dass sowohl die FlexTT5 als auch er Photarex-Funkauslöser eine herstellerspezifische Belegung der Pins am Blitzfuß haben: sie lösen also nicht über den einfachen Mittenkontakt aus, sondern nutzen alle 5 eTTL-Kontakte meines Spiegelreflexsystems. Die Pocket Wizards, weil sie eTTL-fähig sind, und die Photarex, weil sie Teile des eTTL-Protokolls nutzen und darüber HySync-Fähigkeiten bereitstellen. Letzteres ist eine Funktion, die wir nur ganz selten nutzen – wenn wir z.B. Outdoor blitzen wollen und gleichzeitig Verschlusszeiten von kürzer als 1/250 brauchen.

Steckt man die e-TTL-Kontakte auf die X-Pro2, funktioniert zwar alles erstmal. Aber: die Kamera erhitzt sich schnell und schaltet irgendwann ab. Wie mir Fujifilm erklärt hat, nutzt die Kamera die gleichen Kontakte wie mein Spiegelreflexhersteller, aber natürlich mit einem anderen Protokoll. An den Kontakten liegen also auf einmal Informationen an, mit denen die Fujifilm nichts anfangen kann, der Prozessor wird sozusagen mit unverständlichen Befehlen bombardiert, versucht diese zu verstehen, kann sie nicht verstehen und droht zu überhitzen. Das ist für kontinuerliches Arbeiten nicht sehr förderlich. Es muss also eine Lösung her.

So, und jetzt verkompliziert sich die Lage noch einmal, bzw. es kommen zusätzliche Aspekte dazu: Bei einem Auftrag in der vergangenen Woche hatten wir wieder mal massive Probleme mit den Pocket Wizards. Wir haben in einer großen Industriehalle fotografiert, in der sehr viel Stahl herumsteht. In solchen Konstellationen bricht die ansonsten gute Leistung der Funksender und -Empfänger oft zusammen, die Auslösungen sind nicht mehr zuverlässig, selbst bei Sichtkontakt funktioniert die Übertragung nicht mehr usw. An einem Tag hatten wir so viele Probleme damit, dass wir echt genervt waren. Daher probierte ich etwas Neues: Die Yongnuo-Blitze YN-580 III und IV haben einen integrierten Funkempfänger, was eigentlich ganz schön ist. Und auch einen Funksender, den ich sogar besitze, aber nur aus Neugierde mal angeschafft hatte und ansonsten in der Schublade liegen gelassen habe. Für die oben erwähnte Produktion nahm ich den am nächsten Tag mal mit und probierte ihn mit den Yongnuos aus – und zwar mit sensationellen Ergebnissen: statt Probleme zu machen, funktionierte diese Kombi derart zuverlässig – auch über große Entfernungen hinweg – dass ich schlicht von den Socken war: was für ein ungehobener Schatz in meinem Geräteschrank! Wir fotografierten den ganzen Tag in dieser Kombi, mit perfekten Ergebnissen, und mein Entschluss stand fest: Die Pockets fliegen raus, und Yongnuo ist der neue Star am Auslöser-Himmel!  🙂

Soweit so gut. Super funktionierte das an der Spiegelreflex. An der Fuji leider nicht, denn hier löste dieser neue Sender überhaupt nicht aus!

OK, ich kürze das mal ab: der Nachfolger dieses Senders löst wiederum aus – man kann ihn in einen anderen Modus schalten, in dem das geht – und ich habe mir gleich zwei von denen bestellt. Aber auch dieser Sender hat die 5-Pin-Belegung der Spiegelreflex. Also muss noch immer das Problem der Kamera-Überhitzung gelöst werden.

Blitzintegration_Fujifilm_X-Pro2_2Hierfür habe ich inzwischen folgende Lösungen ausgeknobelt:

  • Man setzt zwischen Fujifilm X-Pro2 und dem ersten Blitzauslöser einen „Monokontakt“ Würfel, wie zum Beispiel diesen hier. Dann werden die eTTL-Kontakte unterbrochen und nur der Zündimpuls via Mittenkontakt übertragen. Das funktioniert auch, sieht aber sch…. aus, finde ich, und stellt zudem eine zusätzliche mechanische und elektrische Fehlerquelle dar.
  • Man klebt die vier eTTL-Kontakte am Blitzschuh der X-Pro einfach ab. Auch das funktioniert, wirkt aber ein bißchen gebastelt und wird sicher nach drei oder vier Produktionstagen erneuerungsbedürftig sein.

Eine dritte Lösung ist mir erst gestern eingefallen: an einem ruhigen Samstagnachmittag werde ich mal den Yongnuo-Sender auseinandernehmen und versuchen, die vier überflüssigen Kontaktstifte aus dem Blitzfuß zu entfernen. Das wäre die sauberste Lösung, und ich hoffe, dass es mir mechanisch und vom bastlerischen Geschick her gelingen wird. Falls ja (oder nein), werde ich das Ergebnis hier noch nachreichen.

Also ein Fazit: wenn alles im Workflow auf den Hersteller einer bestimmten Spiegelreflex zugeschnitten ist und man ganz selbstverständlich Werkzeuge nutzt, die damit kompatibel sind, kann man ganz schön ins Schleudern geraten, wenn auf einmal eine ganz andere Kameramarke mitmischt. Dann ist Kreativität, Einfallsreichtum und technisches Geschick gefordert – hat aber bisher immer auch zum Erfolg geführt. Seit vorgestern kann ich nun also unser vollständiges Licht mit der X-Pro2 einsetzen (bis auf die für uns nur kleine Einschränkung, dass High-Speed-Synchronisierung mit den Photarex-Blitzen nicht möglich ist), was mich sehr froh stimmt.

Das war die zweite große Hürde! Die gefundenen Lösungen haben mich meinem Ziel, die Fujifilm vollgültig in unsere Arbeitsweise einzugliedern, wieder ein großes Stück näher gebracht.

 

Nachtrag

Dank des tollen Hinweises von „Tim“ – siehe Kommentare unten – gibt es eine einfach und schnelle Umbaumöglichkeit für die Yongnuo 603 II- Funkauslöser. Danke an Michael für die tolle Ausarbeitung. Ich habe mich gleich mal dran gesetzt und die vier Kontaktstifte leicht entfernen können. Ich finde das super, eine saubere, technisch einwandfreie Lösung, die das Problem – ich meine: die Herausforderung – final löst. Danke!

Modifikation_Sender