X-Pro2-Projekt (7): Kardinalfrage Performance

Warum stelle ich mir eigentlich diese Frage? Warum versuche ich überhaupt herauszufinden, ob die X-Pro2 für die professionelle Industriefotografie taugt? Oder anders gefragt: Warum habe ich meine verschiedenen Fujfilm-Kameras bisher nicht im Beruf eingesetzt?

Velden

Ich hatte die X-100, ich hatte die XE-1 und die XE-2. Alle Kameras fand und finde ich toll. Ich wusste, dass sie eine super Bildqualität abliefern. Ich wusste, dass die Auflösung reicht, ich wusste, dass die Objektive hervorragend sind. Aber bis zur XE-2 (VOR dem 4.0er Firmware-Update!) habe ich den Fujifilms nicht die Performance zugetraut, die ich in der täglichen Anwendung bei Auftragsproduktionen brauche.

Und hier geht es vor allem um AF-Speed, um AF-Performance, Zuverlässigkeit, Genauigkeit. Zu oft ist es mir mit der XE-2 passiert, dass ein Gesicht schon wieder verschwunden war, ehe der AF gegriffen hat. Oder dass der AF überhaupt nicht gegriffen hat. Dass er hilflos im Halbdunkel herumgefahren ist, Zeit verloren hat, den Moment verpasst hat.

Und das ist eben nicht nur bei wirklichen Action-Motiven passiert, sondern bei ganz normalen Szenerien: Der Fotograf fotografiert freihand, die Menschen vor der Kamera bewegen sich im normalen Rahmen, das Licht ist vielleicht nicht gut usw.: Dieser Herausforderung war die bisherige AF-Technik bisher nicht gewachsen bzw. hätte zu viel Ausschuss produziert. Euphemistisch betrachtet, könnte man das Fotografieren mit dem relativ langsamen AF meiner bisherigen Fujifilms „entschleunigt“ nennen. Bei unseren Firmenjobs habe ich die Kamera daher nie eingesetzt, außer für Making-of-Bilder oder für Notizfotos bei Location-Beschichtigungen etc.

Wenn man die Spiegelreflex-Premiumboliden gewöhnt ist, ist das eine andere Welt. Hier greift der AF fast immer, verfolgt zuverlässig sich auch schnell bewegende Objekte und liefert nur äußerst selten Fehlfokussierungen ab.

AF-Performance bei der Fujifilm X-Pro2

Ich muss zugeben, dass die Kamera bisher nur einige wenige Male im tatsächlichen Einsatz war. Das liegt vor allem daran, dass es mir erst an diesem Wochenende gelungen ist, sie vollständig in unsere verschiedenen Blitzsysteme zu integrieren (dazu kommt auch noch eine Story!).

Aber ich habe sie viel in der Hand gehabt, ausprobiert, Making-ofs gemacht und auch ein oder zwei „echte“ Motive damit fotografiert. wir waren in dunklen Kellern, in großen Fabrikhallen, in Forschungseinrichtungen und im Technikum einer Stiftung.

Mein erstes Urteil: es ist soweit! Ja, ich würde und werde mich mit dieser Kamera produktiv einbringen und ihr wichtige Jobs und unwiederholbare Momente anvertrauen. Der AF greift sauber und schnell und sehr zuverlässig. Es gibt praktisch keine Fehlfokussierungen mehr, und wenn sich die „Subjekte“ vor der Kamera oder der Fotograf bewegen, kann man jederzeit wieder den Fokus finden und fixieren. Das funktioniert nicht nur in gut ausgeleuchteten Räumlichkeiten, sondern auch im Schatten, im Inneren von Anlagenteilen oder unter anderen ungünstigen Umständen.

Bisher habe ich nur den normalen AF-Modus erprobt und den kontinuierlichen AF ignoriert. Was der zu bieten hat und wie weit man damit im Vergleich zu einer großen Spiegelreflex kommen kann, werde ich in einem der nächsten Beiträge beleuchten.

Aber bis hierher gilt: die Kamera ist kein Spielzeug mehr. Sie taugt für das ernsthafte Arbeiten, der AF fährt nicht mehr hilflos durch die Gegend, er trifft schnell und sicher – auch in den Randbereichen des Sucherausschnittes. Also auch da, wo nicht die volle Performance zur Verfügung steht. Die Gesamtperformance ergibt sich zum einen aus den Fähigkeiten der Kamera, zum anderen aber auch aus den sehr schnellen und begeisternd leisen Motoren der beiden Zooms, die ich ja ebenfalls neu im Einsatz habe (16-55 und 10-24mm).

Ich finde das toll! Damit ist für mich die größte Hürde genommen – und darüber hinaus bietet die Kamera ja in Sachen AF bei einigen Parametern sogar mehr als meine Spiegelreflex: sie fokussiert auch ganz am Bildrand – ich kann gar nicht oft genug betonen, wie cool ich das finde und wie oft ich mich bei meinen bisherigen Boliden geärgert habe, dass dort, wo ich eigentlich scharf stellen will, kein Fokuspunkt sitzt.

Also in einem Wort: Ich bin froh und begeistert. Das Projekt kann weiter gehen!

 

3 Kommentare
  1. Planz Uli
    Planz Uli says:

    Meiner Erfahrung nach war die T-1 die erste Fuji mit ausreichender „Performance“ für den beruflichen Einsatz. Wobei das auch für die kleine T-10 gilt. E1 und E2, die ich ebenfalls beide besaß, waren dafür weitgehend unbrauchbar. MIt Freude stelle ich fest, dass die Pro2 nun die erste Fuji ist, bei der man wirklich den AF-C nutzen kann. Ich fotografiere im Businessbereich öfter mal auf mich zulaufende Personen – das war selbst mit der T-1 ein schwieriges Unterfangen mit einer unterirdischen Trefferquote. Die Neue kann´s endlich! Natürlich nicht ganz so gut wie ne Nikon oder Canon DSLR, aber es geht. Die Pro2 muss jetzt ihre Zuverlässigkeit beweisen. Leider hat sie einen unklaren „Bug“, d.h. sie ist mir schon dreimal „eingefroren“, ließ sich nicht mehr ausschalten (!) und wurde erst nach Akku raus/Akku rein wiederbelebt. Das macht mich unruhig, weil ich derartige Fehlfunktionen mit KEINER meiner anderen Fujis jemals erlebt habe…

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    • Christian Ahrens
      Christian Ahrens says:

      Hallo Uli, vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Einschätzung. Mit der X-T1 habe ich nie gearbeitet (ich mag den Sucherkamera-Look der anderen Modellreihen einfach lieber). Was Du schreibst, deckt sich sehr mit meinen eigenen Erfahrungen, wobei ich derzeit nicht sagen kann, wie sich die XE-2 nach dem Firmware-Update bewähren würde – die Kamera hat seit zwei Wochen unser Schülerpraktikant in den Händen und der sieht nicht so aus, als wenn er sie vor seinem Praktikumsende wieder herausrücken würde….! 🙂
      Was den AF-C angeht: das werde ich demnächst mal testen und hoffe natürlich auf ebenfalls brauchbare Ergebnisse. Den von Dir erwähnten „Bug“ habe ich noch nicht beobachtet.
      Beste Grüße, Christian

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    • Daniel Zihlmann Photographer
      Daniel Zihlmann Photographer says:

      Den Bug gibt’s bei der X-Pro2, in der Tat. Hab ich auch schon erlebt. Irritierend, weil das Display ausgeht und die Kamera keinen Wank mehr macht. Man denkt erst mal der Akku ist leer. Wenn man den tauscht bzw. raus/rein macht, funktioniert die Kamera wieder. Hoffentlich fixt Fuji das bald. Gemeldet hab ich es bereits.

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