Ehe ich meine Story von heute erzähle, eine kleine Vorbemerkung: je länger ich mit dem Projekt und der Kamera befasst bin, desto deutlicher wird mir klar, wie sehr man in Routinen, Gewohnheiten und in selbstverständlich erscheinenden Annahmen gefangen ist, wenn man seit 10 Jahren mit den DLSRs eines Herstellers fotografiert und nun neue Wege beschreiten will. Die nachfolgende Geschichte ist eine gute Illustration dafür:

Am Mittwoch sollte es endlich soweit sein: ich wollte mein erstes Bild mit der Fujifilm X-Pro2 in einer kommerziellen Fotoproduktion machen! Also richtig Ernstfall, mit allen Konsequenzen! Den Rahmen bildete eine zweitägige Werbeproduktion in Frankfurt. An diesen Tagen entstanden die Bilder für eine Kampagne mit vier verschiedenen Plakatmotiven. Auf jedem Plakat geht es um Hauptmotiv sowie um ein eingeklinktes Nebenmotiv, das die Geschichte „rund“ macht. Dieses Nebenmotiv war eine lockere, lifestylige Szene und ich dachte mir, wenn ich das Motiv mit der DSLR im Kasten habe, wechsele ich einfach noch mal die Kamera und schieße eine Extra-Serie mit der Fujifilm X-Pro2.

Soweit mein Plan. Das Licht in dem Raum war bereits aufgebaut und ausgetestet, desgleichen die Kameraeinstellungen. In dem Fall hatten wir das Licht mit drei Systemblitzen gebaut, die per Pocket Wizard ausgelöst werden sollten. Dabei kamen insgesamt fünf Pocket Wizard-Geräte vom Typ FlexTT5 zum Einsatz.

Wichtig zu wissen: wir nutzen dabei kein eTTL, sondern wir nehmen die Pockets als simple Auslöser, die per Funk synchron die Blitze zünden. Die Blitze waren in dem Fall auch nicht von unserem Kamerahersteller, sondern von Yongnuo. Diese Blitze schätzen wir sehr, sie sind wunderbar einfach in der Bedienung, zuverlässig und sehr preiswert. Also, um das Festzuhalten: wir benutzen die kleinen Systemblitze wie eine manuell eingerichtete Blitzanlage. Nix TTL, nix Automatik.

OK soweit. Als das Motiv an die Reihe kam, setzte ich es zuerst mit der Spiegelreflex um. Die beiden Darsteller waren locker und gut drauf, und das Foto war nach wenigen Minuten gemacht und vom Kunden abgenickt. Dann griff ich zur vorbereiteten X-Pro 2, die ich ein paar Minuten früher eingeschaltet hatte. Ich aktivierte die Kamera und wollte einfach losfotografieren. Jedoch: es ging nicht! Die Kamera zog nicht durch, zeigte dafür aber eine Fehlermeldung. Und die besagte, dass das gute Stück überhitzt sei und erstmal abkühlen müsse.

Bähm! OK, also, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Das kann doch nicht sein! Wie kann eine Kamera überhitzt sein, bloß weil ich sie ein paar Minuten vorher eingeschaltet hatte? Das gibts doch nicht!

Aufregung und Entwarnung

Also brach ich das Experiment ab und legte die Kamera beiseite. Ehrlich gesagt, ich war erstmal ziemlich enttäuscht. Jetzt wollte ich endlich zuschlagen, und dann so etwas. Ich schaltete die Kamera ab und schaute später nochmal nach: immer noch die gleiche Fehlermeldung. Ich entfernte den Blitzauslöser und legte sie auf die kühle Terrasse des Besprechungsraums, in dem unsere Fotoproduktion stattfand. Eine Viertelstunde später probierte ich noch einmal, und jetzt war alles in Ordnung.

Das ließ mir keine Ruhe, und ich schrieb noch am gleichen Abend der Fujifilm-Technik und schilderte meine Erfahrungen. Die Antwort kam sehr zügig am nächsten Vormittag und stellte eine konkrete und treffende Frage: „Verwendeten Sie einen Funkauslöser mit herstellerspezifischen TTL-Kontakten?“ Dieser könne im Zusammenhang mit dem Fujifilm-eigenen Blitzbelichtungssystem zu Problemen führen.

Jo. Natürlich. Das war es! So einfach und doch so unvorhergesehen. Verrückterweise hatte der Sender bei einigen Testbelichtungen zuvor einwandfrei funktioniert. Daher hatte ich mir überhaupt keine weiteren Gedanken gemacht. Dann lag die Kamera eingeschaltet bereit – und die Kontakte vom Pocket haben die Elektronik der Fujifilm offenbar geärgert. Ob das wirklich zu einer Temperaturerhöhung geführt hat oder ob die Fehlermeldung nicht ganz spezifisch war, weiß ich nicht. Aber ich weiß jetzt, dass man zum Arbeiten mit der Blitzanlage tunlichst Sender mit einfachem Mittenkontakt (passenderweise ja „X-Kontakt“ genannt!) verwenden sollte. Oder ein Adapterstück dazwischen setzen sollte, die nur das einfache Sync-Signal durchreicht. Haben wir ja auch alles und ist überhaupt kein Problem, wenn man weiß, was Sache ist.

Mein Fazit aus dieser Geschichte: nichts ist selbstverständlich. Wenn man sich auf ein neues System einlässt, eröffnet sich ein erstaunlich weites Feld an Detailherausforderungen, Workflowanpassungen und -Ergänzungen. Vieles, was zuvor selbstverständlich war, muss neu überdacht und angepasst oder erweitert werden. Dafür werden aber auch neue Möglichkeiten entstehen. Ich finde diese Reise wirklich spannend! Sie erschüttert meine Alltagsroutine und setzt mich neuen Herausforderungen aus. So etwas soll ja jung halten… Dass ein TTL-spezifisches Gerät auf einer anderen Marke für Probleme sorgen kann, ist durchaus nachvollziehbar. Dass es natürlich keinen Fujifilm-spezifischen Pocket Wizard gibt, ist ebenfalls eine Tatsache, berührt mich aber nicht weiter, denn ich brauche so ein Produkt nicht. Aber es spiegelt natürlich bestimmte Gegebenheiten im Markt wider.

Also, was ist denn nun mit dem ersten professionell fotografierten Bild? Das sollte nicht lange auf sich warten lassen und wurde bereits am Tag darauf mit vollem Erfolg gemacht. Davon berichte ich in einem der nächsten Beiträge.