In vielen Diskussionen über die berufliche Fotografie wird immer wieder sehr negativ über den Beruf gesprochen: man könne in der professionellen Fotografie kein Geld mehr verdienen, müsse sowieso nur das machen, was der Kunde wolle und sei nichts weiter als ein armer Dienstleister, hinter dem 100 hungrige Fotografen stünden, die die gleiche Arbeit für die Hälfte machen wollten. Häufig wird auch die Meinung geäußert, dass das größte Glück in der Fotografie darin bestünde, zu fotografieren ohne davon leben zu müssen.

Dazu möchte ich gerne mal etwas sagen.

Natürlich hat sich der Markt für Fotografie stark verändert, vor allem durch das Internet. So ist es zum Beispiel im Bildjournalismus heute schwieriger, ein gutes Auskommen zu finden als noch vor 15 Jahren. Das gleiche Problem hat das klassische Fotostudio in der Innenstadt. Aber dennoch: der Markt für gute Fotografie ist gewaltig, vielleicht ist der Bedarf sogar größer denn je. Wer sich umschaut, entdeckt neue Felder oder schafft sich vielleicht sogar seine ganz eigene, interessante Marktnische.

Und zur beruflichen Erfüllung: Worum geht es denn bei einer erfüllten beruflichen Tätigkeit? Ganz sicher nicht um um ein romantisches Leben. Der bestmögliche erreichbare Zustand ist der FLOW: das vollkommene Aufgehen in einer Tätigkeit, Hingabe mit Leidenschaft. Und so ist das in der Fotografie genauso wie in allen anderen Berufen auch: man kann den Zustand des Flows leicht erreichen. Nicht jede Minute, nicht immer, aber – wenn man sich gut aufstellt – signifikant häufig. Abhängig ist das weniger von der Art des Berufes als vielmehr von der Einstellung, die man selbst der Tätigkeit gegenüber hat.

Als Berufsfotograf ist es daher auch wichtig, sich gut zu platzieren; da zu arbeiten, wo man sich auch wohl fühlt. Sujets und Themen umzusetzen, die einen interessieren. Und das zu lieben, was man tut! Und wenn man das zunehmend erreicht oder anstrebt und man sich gleichzeitig lebhaft für die Menschen einsetzt, mit denen man zusammen arbeitet, dann kann man den FLOW signifikant häufig erreichen. Da stören dann Routineaufgaben wie Buchhaltung oder Datensicherung auch nicht mehr sehr, das gehört halt dazu.

Natürlich ist es vollkommener Unsinn zu behaupten, Berufsfotografie sei pure Romantik und selbstverwirklichte Kreativität. Zu sagen, es sei ein schweres Los voller unerfreulicher Begleiterscheinungen, ist aber mindestens genauso falsch. Dass man professionelle Fotografie mit Leidenschaft und Hingabe betreiben kann, ist jedoch uneingeschränkt richtig – vorausgesetzt, man geht mit der entsprechenden Einstellung an seine Aufgaben heran und entwickelt sich kontinuierlich weiter.

Und wer als Berufsfotograf die vollkommen selbstbestimmte Kreativität vermisst, der kann ganz einfach Abhilfe schaffen: Er verfolgt ein freies Projekt, arbeitet es aus und realisiert einen Fotoband oder eine Ausstellung. Es ist ganz einfach, wenn man etwas zu sagen hat. Und zu sagen hat jeder etwas.